Veranstaltung anlässlich des Augsburger Hohen Friedensfestes 2023: 
#Kreativität

Auch in diesem Sommer hat es wieder eine Veranstaltung unserer Ortsgruppe im Rahmen des Friedensfestes gegeben!

 

Friedensgespräche international

Das Thema des Friedensfestes war dieses Mal sehr weit gefasst. Deshalb entschieden wir uns dazu, unsere internationale Vernetzung mit anderen engagierten Frauen aus Europa in den Vordergrund zu stellen. Deutlich wird: Wir arbeiten nicht nur auf lokaler Ebene, sondern öffnen den Blick auf andere Länder und Kontexte. Dieses Zusammengehörigkeitsgefühl in einem großen Netzwerk von ‚Religionen für den Frieden‘ stärkt uns – besonders als Frauen! Wir entschieden uns deshalb bald dafür, RfP-Frauen in verschiedenen Ländern zu interviewen und dann vorzustellen.
Im Vorfeld überlegten wir uns, welche Fragen wir den Frauen stellen wollten. Aus den Vorschlägen trafen wir eine Auswahl, die uns als Grundlage dienen sollte.

Dieses Mal hatten wir einen Regentag erwischt. Dennoch bauten wir tapfer alles im Hofgarten auf, und schließlich konnten wir trockenen Fußes mit der Veranstaltung beginnen. Die große Sorge war, wie das E-Piano schützen, wenn es nass würde? Da dienten unsere bunten Schirme dann als Schutz, als es tatsächlich wieder leicht zu regnen begann. Unsere Musikerin Dr. Christina Drexel konnte deshalb unbesorgt die Veranstaltung wie immer virtuos begleiten.

Zu unserer großen Freude kamen zahlreiche Zuhörerinnen und Zuhörer trotz des wenig einladenden Wetters. Der Vorsitzende von RfP Albanien, Dr. Genti Kruja, war ebenfalls anwesend und hielt auch eine kurze Ansprache.

Elisabeth (evang.) sprach die einleitenden Worte, indem sie Ziele und Haltung von Religions for Peace vorstellte.
Da wir durch unsere unterschiedlichen Religionen kein gemeinsames Gebet haben, folgte eine Minute des Schweigens für den Frieden.

Dann leitete Ursula (röm.kath.) die Interviews ein.

Birgit (alt-kath.) stellte Francesca Baldini vor, eine Journalistin, die Mitglied von RfP Italia ist. Sie ist 43 Jahre alt, lebt in Rom und ist römisch-katholisch.

Die Fragen stellte Birgit per E-Mail und Francesca beantwortete sie schriftlich. Für Francesca ist es ein zentrales Anliegen, die Rolle der Frauen in den heiligen Büchern, die in der Regel von Männern geschrieben wurden, zu reflektieren. Im interreligiösen Dialog seien weibliche Skills (größere Bereitschaft zu Dialog und zum Lösen von Problemen und die Sorge um andere) besonders wichtig, da patriarchale Strukturen in den Religionen vorherrschen.

Hülya (musl.) hatte Dr. Hamideh Mohagheghi interviewt, die sie zusammen mit anderen Frauen aus dem Frohsinn Bildungszentrum und dem Rumi Kulturverein in verteilten Rollen vorstellte.
Hamideh kam mit 23 Jahren als junge Frau aus dem Iran nach Deutschland, studierte hier Religionswissenschaft in Kombination mit Jura und dann noch Islamwissenschaften.  An der Universität in Paderborn ist sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin eingestellt.
In Fachkreisen ist Hamideh insbesondere durch ihre umfangreiche Vortragstätigkeit zu Themen des Islam bekannt geworden. Am 4. Oktober 2016 wurde ihr von Bundespräsident Joachim Gauck das Bundesverdienstkreuz verliehen.

Unter ihrer Initiative entstand das Haus der Religionen in Hannover, das nach 30 Jahren harten Ringens im November 2022 eingeweiht wurde. Es handelt sich um ein interreligiöses Bildungs- und Veranstaltungszentrum, in dem sich neun Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften zusammengeschlossen haben: Alevitentum, Bahaitum, Buddhismus, Christentum, Ezidentum, Hinduismus, Humanismus, Islam und Judentum. Sie treten gemeinsam für eine Haltung des Interesses, des Respekts und der Achtung des Anderen ein.
Das Haus der Religionen ist außerdem ein außerschulischer Lernort für Schulen. Die Kinder und Jugendlichen sollen erfahren, wie wichtig es ist, dass Menschen aus unterschiedlichen Religionen und Kulturen in unserer Gesellschaft gut zusammenleben und gemeinsam arbeiten. Hamideh hat das Gefühl, wenn die Schülerinnen und Schüler in die Ausstellungsräume gehen und sich und ihre Religion vertreten sehen, öffnet es Räume, sodass sie anders miteinander umgehen, nämlich mit mehr Respekt und Toleranz. 

Aneela und Pakiza (Ahmadiyya Muslim Jabat) hatten Boushra Odeh befragt, die engagierte Ehefrau des Imam Essan, der Mitglied von RfP in Belgien ist. Der Leitsatz dieser muslimischen Richtung „Liebe für alle, Hass für keinen“ drückt alles aus, was Frieden bedeutet.

Sibylle Becherer und Rosi Röhrich (buddhistisch) durften Kathryn Hardy von der Glaubensrichtung Brahma Kumari, die 1937 im heutigen Pakistan entstand, interviewen. Kathryn stammt ursprünglich aus Schottland und lebt heute in Belgien in einem Meditationszentrum. 
Die Brahma Kumaris versuchen durch Meditation ihre Gedanken zu klären und somit den Menschen Licht und Liebe zu bringen.

Eine Besonderheit gegenüber anderen Religionen ist, dass die Brahma Kumaris ausschließlich von Frauen angeführt werden und Männer als Unterstützer der Frauen gelten. Weil die Erziehung eines Menschen zur Spiritualität in der Beziehung zu seiner Mutter, die die erste Bezugsperson ist, beginnt, sollen Frauen in ihrer eigenen Entwicklung zur Spiritualität ermutigt werden.

Fotos und prägnante Aussagen der Interviewpartnerinnen in den Händen haltend, stellten wir uns alle nach der Vorstellung der Interviewpartnerinnen zu einer Menschenkette auf.

Und mit Hoffnung im Herzen beendeten wir die Veranstaltung mit dem Lied „Schalom chaverim“.

Birgit Mair

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